Normalität

Bist Du noch normal? Ich bin’s definitiv nicht. Nie gewesen. Wollte ich auch nie sein. Bis jetzt!

So langsam dämmert mir, dass mein Weg der letzten Jahre, maßgeblich beeinflusst durch Paläo-Gedanken, eigentlich ein Weg in die Normalität ist. Und auch sein soll! Normal ist gut!

Wie komme ich auf dieses schmale Brett, ausgerechnet ich, der sich so lange regelrecht über sein Anderssein definiert hat? Veruchen wir doch mal, uns der Normalität unvoreingenommen zu nähern:

Was ist eigentlich normal?

Wohl am einfachsten nachzuvollziehen ist: Normalität ist die Abwesenheit oder Vermeidung von Extremen. Alles, was wir extrem betreiben, schadet uns. Das Gift liegt in der Dosis. Es gibt einen guten, sinnvollen mittleren Bereich für alles – den Normalbereich. Viel zu viel ist genauso schädlich wie viel zu wenig. Die Mitte bringt’s.

Woran denkt der gebildete Homo Sapiens noch beim Begriff normal? Richtig, Mathematik. Die berühmte Normalverteilung nach Gauß. Normal ist da, wo am meisten unter der Kurve ist…

Nähern wir uns mit dieser Einstellung den Episoden der Menschheitsgeschichte und -Entwicklung, sollten wir schnell und unkompliziert einen Durchschnitt bilden können: Homo Sapiens hat so ungefähr 99 % seines Daseins in der sogenannten Altsteinzeit gelebt. Dem Paläolithikum. Hier kommt der Paläo-Gedanke ins Spiel.

Wie geht ein normales Leben?

Basierend auf dem obigen Gedanken, ist mein persönlicher Paläo-Lebensstil also vor allem eine Suche danach, was eigentlich normal ist. Wie führt man ein normales Leben? Klar ist, dass so ziemlich alles, was wir heutzutage, 2015, als normal betrachten, weit davon entfernt ist.

Den ganzen Tag sitzen (auf Stühlen! nicht auf dem Boden): nicht normal. Dabei in Bildschirme starren: nicht normal. Beliebig viel Nahrung verfügbar zu beliebigen Zeiten ohne jegliche körperliche Anstrengung? Auch nicht. Den ganzen Tag drinnen in der geheizten Bude, ohne mal zu frieren, ohne einen ungefilterten Sonnenstrahl auf der Haut? Schon garnicht. Permanent erreichbar, aber trotzdem de meiste Zeit des Tages ziemlich allein? Au weia…

Die Paläo-Brille lässt uns erkennen, dass wesentliche Dinge, die wir heute als normal betrachten, fast unseren sämtlichen Vorfahren extrem vorkommen würden. Umgekehrt ist vieles, was wir Zivilisationsmenschen als extrem wahrnehmen, die längste Zeit normal gewesen: Jeden Tag “Sport”, also Anstrengung an der frischen Luft? Klar! Jeden Tag was Schweres heben und herumschleppen? Auch. Mal ein paar Tage Hunger schieben, weil’s gerade nichts gibt? Gehört dazu. Bei Sonnenaufgang aus dem Bett, und bei Sonnenuntergang die Augen zu? Natürlich.

Die große Kunst ist wohl, zwischen den beiden Extremen – dem rauhen Alltag der Altsteinzeit und dem ungesund bequemen Leben in der durchtechnisierten Zivilisation – eine gesunde Balance zu finden.

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