Eisenzeit

Eisenzeit

Kalt ist es geworden. Die Überwindung zum Sport fällt dadurch noch schwerer als sonst. Einfach den Abend vorm Monitor verbringen?

Nein, ich habe schließlich beschlossen, keine von den Pausen mehr zu machen, die mich schon mehrmals zurückgeworfen haben. Wenn ich jetzt runtergehe, hole ich ja sogar nur die Einheit nach, die gestern fällig gewesen wäre. Aber nach dem plötzlichen Tod meiner Autobatterie, dem anschließenden Anschieben, Überbrücken und Neukauf noch am Abend war meine Motivation zu weit gesunken.

Heute habe ich keine Ausrede. Kälte? Na und! Meine Vorfahren mussten auch in der Kälte raus, wenn sie Hunger geschoben haben. Also auf in die Tiefgarage.

Zum Aufwärmen ein paar Runden gedreht auf dem Betonboden. Läuft schon alles nicht so geschmeidig heute. Durch den handbreiten Spalt unter dem Garagentor fließt die kalte Luft die Auffahrt hinunter. Minus 10 Grad warens letzte Nacht. Mir wird schon warm werden, das Gewicht war schon letztes Mal nicht ohne. Für meine derzeitige miese Form…

Ablage und Sicherheitsstreben auf die richtige Höhe, und los mit den Aufwärmsätzen für Kniebeugen. Leere Stange, 30 kg, 40 kg. Läuft. 50 kg. Gar nicht so schlimm. Sollte ich doch um einen größeren Schritt erhöhen heute? 60 kg. Nein. Verflucht, ist doch schwer. Es bleibt beim Arbeitsgewicht von 67,5.

Da war ich doch schon mal weit drüber! Hätte ich Idiot bloß die Winterpause sein lassen! Ob ich das heute schaffe? Ich stelle mich vor die Stange und rede mir Mut zu: Die zwei kleinen Scheibchen, die ich eben noch aufgelegt habe! Pah! Als ob die nen Unterschied machen würden!

Knie beugen, mit dem Kopf unter der Stange durchtauchen, Schulterblätter zusammen, Hände aufs Eisen und aufstehen. Zwei Schritte zurück mit der Hantel auf dem Rücken, Füße platzieren, tief Luft holen – und runter.

Das linke Knie knackt wieder beim Raufgehen. Zweite Wiederholung, ich muss jetzt schon kämpfen, um hochzukommen. Meine Arme drücken unwillkürlich auf die Stange, als ob das helfen würde.

Endlich geschafft. Erstmal Luft holen! Ich höre meinen Puls in den Ohren: bammbammbamm-bammbammbamm. Sicher drei pro Sekunde. 180er-Puls.

Noch drei Wiederholungen. Erstaunlicherweise schaffe ich alle. Der zweite Satz verläuft ziemlich gleich. Auch hier klemmt die zweite Wiederholung am meisten. Beinahe kneife ich. Aufhören? Morgen noch mal versuchen? Was, wenn ich die nächste Wiederholung nicht schaffe?

Nix da, wofür hebe ich im Rack? Mir kann nichts passieren. Die Ausreden ziehen nicht. Endlich ist der zweite Satz geschafft, und ich schleppe mich auf die Pausenbank.

Der dritte Satz? Nach dreimal Aufstehen ist Schluss. Aber ich bin sehr zufrieden: Durchgezogen! Nicht gekniffen!

Wie zum Dank läuft die nächste Übung, Military Press, gut durch. Obwohl mein linker Arm sich meldet, nach dem Zerren am waidwunden Auto gestern.

Hat sich doch gelohnt, heute Abend hier runterzugehen. Jetzt gleich zurück in die warme Wohnung, die Pfanne anheizen und ein mächtiges Abendessen verdrücken!

Trainingsprotokoll

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