Wem sollte man glauben? Wem kann man glauben?

Über Gesundheitsthemen wird viel geschrieben. Und nicht nur hierüber. Durch das Internet haben wir beinahe beliebigen Zugriff auf Information. Dummerweise findet man auch problemlos sich widersprechende Aussagen – beide nicht selten mit schlüssigen Argumenten unterfüttert.

Mir hat sich bei meinen eigenen Recherchen und Lesestreifzügen schnell die Frage aufgedrängt: Wem kann ich eigentlich glauben?

Diese Frage werde ich Dir hier nicht beantworten können. Und selbst für den hypothetischen Fall, dass ich es könnte – mir wäre die Verantwortung zu viel. Darum musst Du Dich schon selbst kümmern.

Ich beschreibe aber gerne, wie mein eigener Weg in das Gesundheitsthema bisher verlaufen ist, vielleicht kannst Du ja die eine oder andere Anregung für Dich herausziehen. Ich stand natürlich vor genau demselben Problem, wie ich meine Qellen und Informationen einschätzen soll, und tue es weiterhin.

Wenn ich über meine Lieblingsthemen diskutiere, bekomme ich nicht selten den Eindruck, dass viele zwei in meinen verschiedene Dinge durcheinanderwerfen: Wissenschaft und Wissen. Ich neige dazu, zwischen beiden zu unterscheiden.

Wissenschaft ist die Methode, nicht der Inhalt

Wissenschaft begreife ich als Methode, wie man sich Erkenntnis erarbeitet. Basierend auf Beobachtungen und Erfahrungen entwickelt der Wissenschaftler eine Theorie, mit dem Ziel, eine Kausalität für seine Beobachtung zu entwickeln. Er sucht das Warum zu seinen Erfahrungen.

Eine einmal entwickelte Theorie wird dann auf den Prüfstand gestellt. Wenn es über eine ausreichend lange Zeit niemandem gelingt, die Theorie zu widerlegen und damit zu Fall zu bringen, neigen wir dazu, sie als richtig, als wahr, anzusehen. Sie ist aber keineswegs bewiesen – es wurde nur bisher noch kein Gegenbeweis gefunden. Eine endgültige Wahrheit kann diese wissenschaftliche Methode meiner Meinung nach nicht liefern.

Religion kennt die Antwort schon vorher – aber nur eine einzige

Hier liegt der entscheidende Unterschied zum Glauben, zu allen Religionen. Die Wissenschaft arbeitet immer ergebnisoffen, zumindest sollte sie das. Der Glaube “kennt” das Ergebnis immer schon vorweg, und die Untersuchung wird so gelenkt, dass das Wunschergebnis am Ende auch “bewiesen” wird.

Selbstverständlich vermittelt dieses in sich geschlossene, selbstreferenzielle Glaubenssystem Sicherheit – sofern man nicht aus seinem engen Bereich ausbricht. Wer nicht glauben will, sondern nach wissenschaftlicher Kenntnis strebt, muss mit einer gewissen Dosis Unsicherheit leben. Dies hält ihn aber auch offen für Korrekturen und Neuerungen.

Widersprüche gehören dazu

Sich widersprechende Theorien sind also ein ganz normaler Teil der Wissenschaft. Solange keine von beiden eindeutig widerlegt ist, können durchaus zwei Erklärungsmodelle nebeneinander bestehen, die das gleiche Phänomen beschreiben sollen und sich trotzdem gegenseitig ausschließen. Hier ist es wahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis eine von beiden widerlegt wird – oder gleich beide.

Wenn ich jetzt aber vor einer Entscheidung stehe, wie ich mich verhalten soll – welcher Theorie folge ich dann? Hierzu habe ich verschiedene Ansätze, wie ich versuche, für mich selbst Antworten zu finden.

Viele verschiedene Quellen verschaffen Überblick

Wenn ich mich in einem Bereich ahnungslos fühle, ist mein erster Impuls, möglichst viele Quellen zu lesen. Und diese möglichst breit gestreut. Dadurch ist es eine Frage der Zeit, bis ich einen gewissen Überblick über das Thema bekomme – oder zumindest über die Kontroversen hierüber.

Der nächste Schritt ist dann das Ausweiten meiner Recherche auf andere Gebiete – und die Suche nach Zusammenhängen. Wenn ich mich beispielsweise mit einem Ernährungsthema beschäftige, lese ich auch über Biochemie. Und neuerdings zusätzlich über Vorgänge in unserem Gehirn, denn das Belohnungssystem hat hier ein gehöriges Wort mitzureden.

Selbstverständlich kann so eine verbreiterte Recherche keinesfalls erschöpfend sein. Ich bin aber immer wieder zufrieden, wie viele unerwartete Zusammenhänge sich daraus ergeben. Und genau diese helfen mir regelmäßig, zu entscheiden, in welche Richtung ich weitergehen will.

Häufig finde ich Antworten in scheinbar fremden Fachgebieten

Oft bekomme ich durch das spartenübergreifende Lesen erst die Puzzleteile, die ich brauche, um zu verstehen, wie ein komplexes System funktioniert. (Als bald zu erörterndes Beispiel nenne ich hier mal die Versorgung unserer Zellen mit Energie, die sehr viel anders funktioniert, als ich mir das nach etwas Schulbiologie zusammengereimt habe.)

Ich streite nicht ab, dass da eine gehörige Portion Bauchgefühl mit hineinspielt. Damit kann ich hervorragend leben, solange es nur um meinen eigenen Bauch geht.

Habe ich auf diese Weise einmal eine Richtung gefunden, probiere ich neue Ideen sehr gerne an mir selbst aus. Natürlich hat ein Versuch mit n=1 Probanden keinerlei Aussagekraft für die Allgemeinheit – wenn ich selbst aber dieser eine Proband bin, gebe ich sehr wohl etwas darauf.

Glaube Dir selbst

Um meine in der Überschrift gestellte Frage zu beantworten: Glaub’ Dir selbst.

Ich gebe nichts mehr auf den Ruf einer Quelle. Ich interessiere mich nicht für klingende Titel und aufwändige Aufmachungen, wenn die Aussagen auch großer, weithin anerkannter Institutionen (Paradebeispiel: die DGE) beim ersten näheren Hinsehen in sich zusammenfallen.

In einer Zeit, in der scheinbar alles seinen Preis hat, in der Zeitungen schreiben, was der Werbekunde gerne sieht und wissenschaftliche Institute Studien abliefern, deren Rahmenbedingungen der Sponsor festgelegt hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns selbst schlau zu machen. Mit dem Internet steht uns dafür ein unglaublich mächtiges Werkzeug zur Verfügung. Aber die Bedienung dieses Werkzeugs – die Medienkompetenz – die können wir auf niemanden abwälzen.

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