Paläo-Praxis Teil 1 – Die Grundlagen

Paläo wird gelegentlich als „Diät“ bezeichnet, so dass man auf die Idee kommen könnte, es sei nur eine besondere Ernährungsform. In meinen Augen ist es aber sehr viel mehr: Ein Lebensstil, der alle Bereiche des Lebens beeinflusst und umfasst.

Um mir meine eigene Praxis zu erleichtern – und das Reden über die vielen Aspekte des Paläo-Lebensstils – habe ich ihn für mich auf vier Säulen gestellt.

Meine vier Säulen des Paläo-Lebensstils

Die erste und wohl am meisten besprochene Säule ist natürlich die Ernährung. Zusammengefasst besteht sie aus natürlicher, frischer und regionaler Kost. Auf dem Speiseplan steht, was Homo Sapiens seit Millionen von Jahren isst. Nicht vorgesehen sind alle Nahrungsmittel, die erst seit der Neolithischen Revolution bekannt sind, allen voran Verarbeitetes, Getreideerzeugnisse und Milchprodukte.

Die zweite Säule ist Bewegung. Ich brauche wohl niemandem zu erklären, welche Folgen unsere vorwiegend sitzende Lebensweise hat. Unsere Körper verlangen danach, gefordert und belastet zu werden. Die Biologie folgt dem Motto „use it or lose it“ (benutze es oder du verlierst es).

Kraft geht dabei vor Ausdauer. Die Ausdauer kommt von selbst, wenn man an seiner Kraft arbeitet. Durch Paläo habe ich das klassische Gewichtheben mit der Langhantel für mich entdeckt. Aber natürlich laufe ich ebenfalls regelmäßig und nutze meine Nähe zu den Alpen für ausgedehnte Wanderungen – alles in Zehenschuhen oder gleich ganz barfuß.

Belastung muss mit passender Erholung ausgeglichen werden. Daher reserviere ich mir mindestens acht Stunden pro Nacht zum Schlafen, teilweise auch mehr, wenn der Tag anstrengend war. Dabei gibt es viele Kleinigkeiten, wie die Schlafqualität optimiert werden kann. Aber Erholung umfasst noch mehr: Ich gönne mir auch mal ein paar Stunden Faulenzen am Wochenende und träume einfach nur vor mich hin. Sobald es Frühling wird, liege ich nach meinem Feierabend für ein paar Minuten auf dem Balkon in der Sonne. All dies fasse ich nicht mehr als „verlorene“ oder „verbummelte“ Zeit auf, es genießt stattdessen die gleiche Priorität und Wertigkeit wie meine Trainingseinheiten.

Ebenso wichtig ist eine kurze tägliche Meditation, die schon halb zur vierten Säule gehört: zur Einstellung. Hierunter verstehe ich sowohl die geistige und spirituelle Innenwelt, als auch die äußeren Einflüsse, denen ich mich aussetze: mein Freundes- und Bekanntenkreis, die Medien, mit denen ich mich beschäftige und vieles mehr. Sicher kennt jeder von Euch den Unterschied zwischen einem Abend vorm Fernseher und einem Abend im anregenden Gespräch. Ich bin mir der Auswirkungen von beidem heute viel bewusster als noch vor wenigen Jahren – und richte mein Leben entsprechend aus. Achtsamkeit (awareness) ist mir sehr wichtig geworden.

Ständiges Dazulernen und Ausprobieren prägt mein Paläo-Leben

Die obige Einteilung ist keineswegs als starres Raster gedacht, und sie ist auch alles andere als vollständig. Die Vier Säulen sollen nur einen ersten Anhaltspunkt und etwas Überblick geben, um den Start zu erleichtern. In der Praxis lerne ich ständig Neues, teils durch Lesen, immer mehr aber auch durch eigenes Ausprobieren und den Austausch mit Freunden. Mein Paläo-Leben ist im Fluss, es ist eine spannende Reise, durch die ich, so pathetisch das auch klingen mag, näher zu mir selbst finde. So, wie ich meinen eigenen, individuellen Weg entwickle, möchte ich Dich anregen, Deine eigene bewusste Reise zu starten und zu genießen.

2 Gedanken zu „Paläo-Praxis Teil 1 – Die Grundlagen“

    1. Erstmal ermüdet ein starker Körper bei gleicher Last weniger als ein schwacher Körper. Wenn ich jetzt bergauf laufe, muss ich zwar 10 kg mehr nach oben bringen als vor meiner “Eisenzeit”, habe aber dafür mehr Reserven in der beteiligten Muskulatur.

      Wenn ich nahe meinen Maximalwerten hebe, treibt auch ein kurzer Satz mit fünf Wiederholungen meinen Puls ordentlich nach oben, und ich muss danach erstmal wieder Luft bekommen. Das mag eine sehr kurze, anaerobe Ausdauerbelastung sein, aber es setzt mit Sicherheit auch seine Reize fürs Herz-Kreislauf-System.

      Mindestens für einen Anfänger, den ich beim Schreiben meiner Einführung im Auge hatte, dürfte beim zügigen Gewichtheben mit nicht zu langen Pausen nicht nur die Kraft zulegen, sondern auch die Ausdauer. Allein dadurch, dass er eine Stunde am Stück mehr oder weniger intensiv Sport treibt.

      Ich beziehe mich hier ausdrücklich aufs Gewichtheben mit der Langhantel, das darauf angelegt ist, möglichst den ganzen Körper zu belasten. Irgendwelche Übungen auf Maschinen sind, nach meiner Meinung und Erfahrung, eine andere Geschichte.

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