Der Paläo-Gedanke

„Paläo“ – ist das wieder so eine Mode? Eine neue Diät, die kurz durchs Internet weht und dann vergessen wird?

Nicht in meinen Augen. Für mich zielt der Paläo-Lebensstil darauf, Gesundheit und Wohlbefinden zu erreichen oder zu verbessern, indem er sich an einer Lebensweise orientiert, an die wir optimal angepasst sind.

Wir verbinden Alter mit Krankheit und Gebrechlichkeit

Wir modernen Menschen sind daran gewöhnt, dass wir „alt“ werden. Mit Altwerden meinen wir einen langsamen, aber unaufhaltsamen Verlust unserer Energie, unserer Kraft und Ausdauer, und schlussendlich oft auch unserer geistigen Beweglichkeit und Fähigkeit. Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben und nach wie vor sportlich und geistig wach sind, werden als Besonderheit und Ausnahmen wahrgenommen. Die meisten von uns gehen wohl davon aus, diese Ausnahme-Alten hätten einfach Glück gehabt. „Gute Gene.“

Schauen wir uns dagegen die Tiere an, müssen wir feststellen, dass sie nicht alt werden wie wir. Wild lebende Tiere sind fit bis ins hohe Alter. Es ist eher die Regel, dass alte, erfahrene Exemplare die besten Reviere besetzen und zahlreiche junge Konkurrenten abdrängen.

Wen das noch nicht nachdenklich macht, der sollte sich mit unseren „exotischen Artgenossen“ beschäftigen, den sogenannten Urvölkern. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen dieser „wild“ lebenden Menschen kommen zum Ergebnis, dass sie bis kurz vor ihrem Tod fit und gesund sind. Dass sie keine „Zivilisationskrankheiten“ kennen.

Was unterscheidet nun die gesunden Urvölker – alle Urvölker – von uns?

Wir zivilisierten Menschen haben uns von der Lebensweise unserer Vorfahren verabschiedet und unsere Umwelt, unsere Lebensbedingungen, fundamental geändert. Homo Sapiens war seit seiner Entwicklung vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren als nomadisch lebender Jäger und Sammler unterwegs. Erst der Übergang von der Altsteinzeit – dem Paläolithikum – zur Jungsteinzeit (Neolithikum) sah den allmählichen Einzug von Ackerbau und Viehzucht. Dies datiert je nach Region auf frühestens etwa 10.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. In Europa wurde dieser neue Lebensstil vermutlich erst vor etwa 7.000 Jahren eingeführt, in Amerika und Australien vielleicht sogar erst mit der Eroberung dieser Kontinente durch europäsche Entdecker.

Die Ureinwohner dieser und weiterer Kontinente unterscheiden sich zuallererst dadurch von uns, dass sie nach wie vor als Jäger und Sammler leben. Sie blieben bis heute Vertreter der Altsteinzeit.

2,5 Millionen Jahre Jagen und Sammeln stehen wenigen Tausend Jahren Ackerbau und Viehzucht gegenüber

Wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Zeiträume eine Anpassung durch genetische Veränderungen benötigt, dürfte der Grundgedanke des Paläo-Lebensstils unmittelbar einleuchten: Wir, Homo Sapiens, haben uns über die 2,5 Millionen Jahre unserer Entwicklungsgeschichte hervorragend an ein Dasein als Jäger und Sammler gewöhnt. Aufbauend auf den Anpassungen unserer noch wesentlich älteren Vorfahren, von denen sicherlich viele eine mindestens ähnliche Lebensweise hatten.

Seit der Neolithischen Revolution – der Einführung von Ackerbau und Viehzucht – sind längstens etwa 400 bis 500 Menschengenerationen vergangen. Für die Anpassung an fundamental andere Lebensbedingungen ist dies zu wenig Zeit.

Was bedeutet der Paläo-Gedanke für jeden von uns?

Ich habe mit Sicherheit nicht die Absicht, in einem Zelt aus Fellen im Wald zu campieren und mit einem spitzen Stock Rehen und Wildschweinen nachzustellen. Mein Ziel ist es, die Annehmlichkeiten von Zivilisation und Technologie weiterhin zu genießen, gleichzeitig aber die wesentlichen Aspekte einer Lebensweise zu berücksichtigen, an die ich nach wie vor angepasst bin.

Ich pflege meinen Primatenkörper und verwöhne mein Primatengehirn, indem ich ihnen eine Dosis dessen gebe, was sie brauchen. Diese Praxis des Paläo-Lebensstils ist Gegenstand weiterer Artikel.

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